Eigentlich hätte ich heute früh mein Bad putzen müssen. Ich fand nämlich gestern abend in meinem Briefkasten einen Zettel von der Hausverwaltung: Im Lauf der kommenden Woche würden an meinem Badezimmerfenster Latches (was auch immer das ist) angebracht, und man werde sich daher Zutritt zu meiner Wohnug verschaffen.

So was kennt man. Alter Spione-Trick. Aber diesmal haben sie sich verrechnet! Ich hab nämlich gar kein Fenster in meinem Badezimmer.

Ausserdem muss ich an dieser Stelle berichten, dass im Fernsehen Mission Impossible fast gar nicht mehr kommt, sondern statt dessen jeden Tag mindestens zwei Serien über Expolizisten, die - natürlich völlig zu Unrecht - aus dem Polizeidienst entlassen worden sind, und jetzt auf eigene Faust bzw. auf eigenes Maschinengewehr für Recht und Ordnung sorgen. Eine solche Serie habe ich mir gestern angesehen. Lustigerweise hieß der Erzschurke in dieser Folge >I>Clarence, genauso wie früher der Löwe bei Daktari. Danach kam

YOOHOOHOOO HOO HOO HOOOOO

Kung Fu, Teil II. Ihr erinnert Euch doch, oder? Caine, der Penner mit dem Schlapphut, der immer durch die Prärie getigert ist, und mit der Kraft seines I Ging die eisenhärteste Faust zum Schmelzen gebracht hat. Caine hat jetzt einen Sohn und arbeitet für die Shaolin in Chinatown, irgendwo in Amerika. Sein Sohn ist Bulle in der gleichen Stadt und zu zweit bringen sie alle mšglichen Finsterlinge zur Strecke. Das Interessante an der gestrigen Folge, und deswegen erwähne ich dieses Ereignis überhaupt: auch diesmal hieß der Bösewicht Clarence. Daher meine Prognose für alle meine Leserinnen, die vielleicht gerade ihre Schwangerschaftsteststreifen durchweichen lassen: Clarence wird DER Modename in der Sommer/Herbst-Saison 2000

16. März 2000

Sodom und Gomorrha

God Damn! Was ist das für'n Etablissemang?
Da stehen ja schon fünfzehn die Bretterwand entlang
Alle mit der Uhr und viel Boheee!"

(Berthold Brecht: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagony)

Seit einigen Tagen begegnet mir, wenn ich spät abends auf dem Sveavägen nach Hause gehe ein Konvoi aus zwei Kleinlastern, der anscheinend den ganzen Abend die Straße rauf und runter fährt. Auf dem Dach beider Fahrzeuge ist je ein Großes Schild montiert, auf dem Schild abgebildet eine sehr leicht bekleidete Dame mit schwarzen Cowboystiefeln und dazu ein Text, der einlädt den Club Privee zu besuchen, mit Striptease, Massage und Pool.

Ich konnte der Versuchung bis jetzt widerstehen, und wenn mich nicht meine Leser zu einer einschlägigen Recherche auffordern, und mir für diesen Zweck ein Spesenkonto einrichten, werde ich das wohl weiterhin tun. Meine überschäumende abnorme Fantasie läßt es mich schon in Gedanken erleben:

Zwanzig Minuten draußen in der Kälte anstehen. Dann vom Türsteher wegen ungeputzter Schuhe wieder nach Hause geschickt werden. Wenn nicht, dann für einen Betrag, der für mich ein Stundenlohn ist, den Mantel aufhängen lassen. Der Rotwein nur zwei Drittel voll eingeschenkt, und die auch noch zu einem Drittel mit Wasser gestreckt. Beim Striptease dann wird die Tänzerin sich weigern, ihre Cowboystiefel auszuziehen, weil die Schweden auf den Boden spucken. Für die Massage schließlich muss man einen Nummerlapp ziehen und aufpassen, dass man seine Nummer nicht verpasst. "394! 394! . . . 394! . . . 395!"

Sehr viel mehr kann ohnehin nicht geboten werden, da ist ja auch noch das Gesetz über "den Kauf sexueller Dienste", das dieses Vergnügen letztendlich auf das Angebot eines durchschnittlichen Kurmittelhauses reduziert.

Was mich dabei blos ganz entschieden nervt, ist dass wegen dieser läppischen Attraktion, die allenfalls für Bundeswehrler vom Land, die zum ersten Mal ohne Mami und Papi in der Stadt sind, attraktiv ist, zwei Autos ihre Abgase verbreiten müssen.